sd. Marienheide. Einem Vortrag über
den Tagesablauf einer wohlhabenden Familie in der Zeit um 1900
lauschten die Besucher im Drehorgelmuseum Kempershöhe.
Museumsdirektor Dr. Ullrich Wimmer präsentierte Anekdoten und
Wissenswertes zu den historischen Spieldosen, Androiden, Drehorgeln
sowie den mechanischen Musikinstrumenten, denen irgendwie etwas
Lebendiges innewohnt. Ein Stück "konservierte
Klangzeit", die die Zuhörer in das 19. Jahrhundert
versetzte.
Schon zum Frühstück ertönten damals kleine
Musikdosen - vornehmlich in den Häusern der vermögenden
Bevölkerung. "Und die Dame hört ein Musikstück
aus einer kleinen Spieldose, während der Herr des Hauses seine
Taschenuhr an das Ohr hält, aus der Melodien von Sergej
Rachmaninov klingt", sagt Dr. Ullrich Wimmer.
Aber auch mechanische Bilderalben und Bücher, die mit Musik
untermalt sind, galten als Artefakte der Unterhaltung. Ebenso
zählten Vogeluhren dazu - aus ihnen tönten berühmte
Kompositionen wie Melodien aus der Oper Carmen. Auch Kinder
genossen die Töne und Melodien aus den mechanischen
Spieluhren, Puppen, Trommeln sowie sprechenden Bilderbüchern.
"The speaking Picture Book" aus dem Jahre 1880 ist ein
solches Beispiel: Gedichte wurden mit lebendiger Charaktere
aufgeladen, in dem Töne oder etwa Tiergeräusche aus dem
sprechenden Buch klangen.
"Und als der Herr von den Geschäften nach Hause kam,
zündete er sich eine Zigarre an - selbstverständlich mit
einem Feuerzeug, aus dem Musik tönte", schildert Dr.
Wimmer weiter. Und die Kinder jener Zeit sollten vor dem
Schlafengehen von Spieluhren unterhalten werden: ein mechanisches
Katzenkonzert half dabei.
Während des kleinen Ausflugs in die Welt der
selbstspielenden Instrumente wurden die Zuhörer in ein Konzert
eingebunden. Gemeinsam sang man die Ballade "Die holde
Gärtnersfrau" - untermalt von einer historischen
Drehorgel, die der Museumsdirektor bediente.
Über 150 verschiedene Drehorgeln, Spieldosen und -uhren vom
18. bis 20. Jahrhundert werden in Kempershöhe, Kapellenweg 2,
präsentiert.
Das Drehorgelmuseum kann bei einer einstündigen Führung
besichtigt werden.
Terminvereinbarung: ( 01 76/43 04 84 81 oder 022 64/2013181 oder
www.
leierkastenheiterkeit.com.



