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Tipps und aktuelle Fahrberichte - exklusiv von Motorjournalist Werner Müller


Warum TV-Detektiv Matula Alfa Romeo fährt

TV-Kommissare gehen überwiegend in BMW und Mercedes auf Gangster-Jagd. Doch es geht auch anders. Im "Fall für zwei" fährt Matula seit vielen Jahren Alfa Romeo. Und Freddy Schenk rollt mit Max Ballauf sogar in konfiszierten Traumwagen zum "Tatort"

Freitag und Sonntag ist Krimizeit im deutschen Fernsehen. Ob Tatort, Polizeiruf, Soko oder "Ein Fall für zwei", die TV-Kommissare und -Detektive gehen meist mit schwarzen oder silbernen BMW- und Mercedes-Modellen auf Verbrecherjagd. Auch VW ist im Tatort und Polizeiruf vertreten.

Das alles ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von gezieltem Product-Placement. Die Autohersteller beschäftigen im Marketing oder der Öffentlichkeitsarbeit Spezialisten, die bei Anfragen der TV-Produzenten prüfen, ob die geplanten Sendungen zum Produkt passen. Und ob davon eine Imageaufwertung ausgehen könnte. Erst dann wird den TV-Kommissaren ein entsprechendes Gefährt zur Verfügung gestellt.

Oft erhält die Produktions-Crew zusätzliche Fahrzeuge für die Drehzeit. Und die werden, so ein Insider, "ganz schön rangenommen". Die Kommissare "ermitteln" am häufigsten in BMW 3er- und 5er-Modellen, in Mercedes C- und E-Klasse-Fahrzeugen sowie im VW Passat. Die stets blankgeputzten und mit schicken Alurädern aufgewerteten "Polizei"-Fahrzeuge werden dann dementsprechend ins Bild gesetzt.

Blitzsaubere Einsatzfahrzeuge passen aber nicht zu jedem Ermittler. Und so gibt es von der Regel auch Ausnahmen. Zu den meist etwas skurillen Kommissar-Figuren passen interessante oder demonstrativ alternative Oldies einfach besser. Schimanskis Citroën CX, der Fiat 130 von Kopper, der Opel Admiral vom "letzten Bullen" oder der Porsche 911 targa von Thorsten Lannert sind dafür populäre Beispiele.

Was häufig mit einer Autosuche für den TV-Kommissar beginnt und eher zufällig bei einem Oldie endet, artet im Laufe der Drehzeit zu einer oft innigen Freundschaft zwischen Schauspieler und "Dienstfahrzeug" aus. Ein guter Regisseur wertet das Auto und die Zuneigung des Kommissars zu seinem Gefährt zu einem wichtigen Element der Krimireihe auf.

Beispiele gefällig: Detektiv Matula ermittelt im "Fall für zwei" schon seit über 30 Jahren mit diversen Alfa Romeo-Modellen. Audi versuchte zwischenzeitlich mit einem Audi 80, Matula zu locken. Doch da der weiße Audi der Film-Crew zu "normal" für Matula war, verpasste man dem Fahrzeug einen dunklen, unlackierten Kotflügel. Das wiederum ärgerte die Sponsoren in Ingolstadt. Matula fuhr wenig später wieder Alfa Romeo.

Ulrich Tukur als Ermittler Murot hat als treuen Begleiter einen traumhaft schönen NSU Ro 80. Der Kölner Kommissar Freddy Schenk gönnt sich im WDR-Tatort zur üblichen Currywurst am Rheinufer stets eine anständige Karre, alles konfiszierte Autos aus dem Fundus der Polizei.

Der etwas absonderliche Kieler Kollege Borowski fährt VW, aber einen uralten Passat mit Gasbetankung. Borowski: "Mein Brauner".

"Er ist der populärste Tatort-Kommissar. Und das, obwohl er schon viele Jahre im Ruhestand ist." So beschrieb kürzlich die AUTO ZEITUNG Classic Cars den wohl bekanntesten Kommissar. Götz George alias Horst Schimanski, der Kommissar ohne geregeltes Leben, fluchend, prügelnd. Zum Bohemien-Image des leichtlebigen Kommissars gehört natürlich ein entsprechender Dienstwagen. Götz George bekam mit dem Citroën CX das Fahrzeug, das ihm wie auf den Leib geschneidert erscheint.

Ganz anders der Gerichtsmediziner Dr. Karl-Friedrich Boerne, der lustigste Vogel im sonst eher ernsten ARD-Tatort, hat es auch gerne individuell. Doch der Pathologe aus Münster ist oft in edlen Mercedes SLK, Porsche, Jaguar unterwegs. "Eben Autos, die zu diesem Großmaul gut passen", kommentiert der WDR die Marotten des zusammen mit Kommissar Thiel derzeit beliebtesten Tatort-Ermittlers. Das Münsteraner Duo schreckt dabei nicht vor schwarzem Humor zurück. In einem Tatort sieht man Thiel und Boerne eingezwängt im alten Fiat 500 der Assistentin Alberich und ein paar Folgen später hocken beide (wegen Spritmangels) im Kofferraum eines Leichenwagens.

Die Ehre der italienischen Autobauer hält Mario Kopper im Tatort Ludwigshafen mit seinem Fiat 130 von 1972 hoch. Kommentar des Senders SWR: "Kopper fährt seinen Oldtimer zum einen wegen seiner Begeisterung für italienische Autos, was ja seiner halbitalienischen Abstammung entspricht, zum anderen mag er Autos, die mit Liebe hergestellt wurden, die noch Wertarbeit sind und vor allem: Charakter haben."

Aus der gleichen Zeit stammt der bullige Opel Admiral, der seit 2010 von Schauspieler Henning Baum bei SAT 1 in dessen Rolle als TV-Kommissar Mick Brisgau chauffiert wird. Die Serie heißt: "Der letzte Bulle". Und spielt Ruhrgebiet. Opel und Ruhrpott, das passt zusammen.

Meine Meinung: Abgesehen mal davon, dass Autos beim Poilzei-Einsatz einfach dazu gehören: Die Auto-Marotten der Kommissare fördern auch die Einschaltquoten. Denn Autofreaks schalten oft schon alleine schon wegen der Oldies die Krimis ein.

Letzte Änderung: Freitag, 06.01.2012 10:31 Uhr

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