Foto Werner Müller

Fahren Sie vorsichtig!

Tipps und aktuelle Fahrberichte - exklusiv von Motorjournalist Werner Müller


LKW-Unfälle: Die Technik könnte schon jetzt viele verhindern

Erst zum Herbst 2013 müssen neue LKW mit so genannten Notbremsassistenten ausgerüstet sein. Dabei könnte heute schon mehr als jeder dritte Auffahrunfall verhindert werden

Berufsverkehr, die zunehmende Verkehrsdichte und die dauernden Staus durch die Autobahn-Baustellen in unserer Region bringen es mit sich: es wird hektisch und schon passieren Auffahrunfälle mit - leider aktuell - oft bösen Folgen für PKW- und LKW-Fahrer.

Zudem ist - wie eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach in Zusammenarbeit mit der Autobahnpolizei Köln ergab - bei fast jedem fünften schweren Lkw-Unfall die Ursache Übermüdung. Darüber hinaus waren die Unfallverursacher laut Untersuchung abgelenkt oder in Gedanken versunken. Damit hängt rund ein Drittel aller schweren Unfälle mit Müdigkeit oder Unaufmerksamkeit am Steuer im Zusammenhang.

Die Ursachen dafür sind nach Angaben der LKW-Fahrer:
- Lange Lenk- und Arbeitszeiten sowie Nachtfahrten führen zu hoher Belastung und zur Ermüdung und zum so genannten "Sekundenschlaf"
- Erholungspausen werden aus Termindruck und Parkplatzmangel nicht eingehalten
- Lkw-Fahrer halten wenig vom Sicherheitsgurt, sie schnallen sich oft nicht an
- Die Ladung ist mangels besseren Wissens nicht richtig gesichert
- Zu dichtes Auffahren ist eine wesentliche Unfallursache

Wie kann man Unfälle vermeiden oder verringern?
Wo Menschen im Spiel sind, passieren nun mal Unfälle. Doch die moderne Technik wie etwa die Adaptive Cruise Control (ACC), eine Abstandskontrolle, fördert nicht nur eine sichere und ruhige Fahrweise. Untersuchungen zeigen, dass die Unterschreitung des Sicherheitsabstands bei Fahrern, die ACC an Bord haben, um rund 75 Prozent zurückgeht. Das ACC von Bosch etwa regelt nicht nur automatisch die Geschwindigkeit, sondern passt sie an das Tempo vorausfahrender Fahrzeuge an - durch Gaswegnahme und selbsttätiges Bremsen.

Die Hälfte der schweren Unfälle mit Lkw auf Autobahnen ist nach Ansicht von Mercedes-Benz vermeidbar. Für einen Flottentest mit 1000 Mercedes-LKW wurde die Hälfte der Fahrzeuge mit den Assistenz-Systemen Spurassistent, Abstandsregel-Tempomat und Stabilitätsregelung ausgestattet. Ergebnis: Bei den Fahrzeugen mit dem Sicherheitspaket halbierte sich gegenüber den 500 Sattelzugmaschinen ohne die Zusatzausstattung die Anzahl der Unfälle.

Schon seit über fünf Jahren im Angebot für Mercedes-LKW: der Active Brake Assist (Notbrems-Assistent). Reagiert der Fahrer trotz mehrfacher Warnungen bei einer Kollisionsgefahr nicht, leitet das System selbstständig eine Vollbremsung ein. Der Active Brake Assist kann Unfälle zwar nicht immer verhindern, jedoch werden durch die volle Bremswirkung die Kollisionsgeschwindigkeit und damit die Schwere von Unfallfolgen erheblich verringert.

Bei Mercedes-Benz betont man, dass die angebotenen Assistenz-Systeme dem Fahrer nicht die Verantwortung abnehmen. Sie können ihn aber unterstützen, damit er sich besser auf den Verkehr konzentrieren kann. Und helfen überall dort, wo die Technik besser und schneller reagieren kann als der Mensch.

Laut Gesetz müssen ab 2013 alle neu entwickelten Lkw-Typen über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht und ab 2015 alle neu zugelassenen Lkw mit einem Notbremsassistenten ausgestattet sein. Das alles dauert - wie so oft - viel zu lange. Zudem sind laut ADAC die Vorschriften noch nicht ausreichend. "Gegenwärtig wird von den Notbremsassistenten gefordert, dass sie Unfälle mit Vorausfahrenden verhindern und vor einer Kollision mit einem stehenden Fahrzeug die Geschwindigkeit um mindestens 10 km/h reduzieren können.

Moderne Notbremsassistenzsysteme können aber eigentlich mehr, wie der ADAC bei Fahrversuchen herausgefunden hat." Der ADAC fordert deshalb Systeme, die bei einem stehenden Fahrzeug, zum Beispiel  an einem Stauende, zu einer Geschwindigkeitsreduzierung um 40 km/h führen - technisch ist das möglich. Denn nur dann können bei Geschwindigkeiten bis rund 55 km/h die schrecklichen Unfälle wie in den letzten Tagen vermieden und bei Autobahntempo der Aufprall deutlich abgemildert werden.

Auch die Warnfunktion des Notbremsassistenten sorgt für mehr Sicherheit. Wird der Fahrer durch einen Bremsruck oder eine Teilbremsung frühzeitig gewarnt, wird er aufmerksamer und kann gegebenenfalls rechtzeitig ausweichen oder noch zum Stehen kommen.

Meine Meinung: Speditions-Unternehmer und LKW-Hersteller sollten die schon seit 2006 serienreife Sicherheitstechnik freiwillig einbauen und ordern. Der Konkurrenzdruck bei den Spediteuren ist zwar groß, aber die zusätzlichen Kosten würden dann für die meisten gleich sein und das Preisgefüge nicht verzerren. 50 Prozent weniger Unfallopfer: Das müsste doch eine Investition in Sicherheitstechnik wert sein. Bislang sind nach letzten Erkenntnissen weniger als 10 Prozent der neu zugelassenen LKW mit Assistenzsystem ausgerüstet. Das ist erschreckend wenig.

Foto/Grafik: GDV/dpp
So sehen LKW-Fahrer nach einer Umfrage die Gefahren auf der Straße.
Letzte Änderung: Montag, 16.01.2012 13:23 Uhr

Alle Titel im Großraum Köln/Bonn

Lernen Sie die weiteren Anzeigenblätter im Großraum Köln/Bonn kennen. »

amio