Das Original hieß Audi 50, das auf billig getrimmte, technisch völlig identische Schwestermodell aus Wolfsburg hieß VW Polo. Ähnlich erging es dem ersten Audi 80 von 1972. Um die Schwestermarke VW wieder auf die Erfolgsspur zu bringen, wurde dem Stufenheck-Modell aus Ingolstadt ein Fließheck und das VW-Zeichen verpasst: Fertig war der VW Passat.
Badge-Engineering heißt das unter Fachleuchten. Man
"badgt" ein bestehendes Modell einfach mit einem
Markenzeichen und ein paar kosmetischen Korrekturen auf eine neue
Marke um.
Der VW-Konzern praktizierte das in den späteren Jahren
geschickter. Auf der Golf-Plattform basierten nicht nur der Audi
A3, der Skoda Oktavia und der Seat Leon, sondern auch der
Sportwagen Audi TT, der VW Beetle, das VW-Cabrio EOS und der VW
Vento. Aber alle Varianten zeigten bei nahezu identischer Technik
ein markentypisches Design und auch im Innenraum deutliche
Unterschiede.
Doch es gibt auch Beispiele für diese Gleichteile-Philosophie, wo der Kunde schon mal ins Grübeln kommt. Denn oft werden technisch identische Modelle zu unterschiedlichen Preisen angeboten. So gab es vor einigen Jahren die Modelle VW Sharan, Ford Galaxy und Seat Alhambra, die alle drei in einer Fabrik im portugiesischen Setubal vom Band liefen. Und die wirklich nur am unterschiedlichen Kühlergrill und Scheinwerfer zu erkennen waren. Alle drei zusammen waren in Europa recht erfolgreich, doch ausgerechnet der teuerste, der VW Sharan, wurde am häufigsten gekauft.
Drei aktuelle Beispiele zeigen, dass es vor allem bei Kleinwagen eine erstaunliche Modellverwandtschaft zwischen heftig konkurrierenden Herstellern gibt.
Beispiel 1: Der Peugeot 107, der Citroën C1 und der Toyota Aygo werden mit baugleichen Motoren und leicht geändertem Design in einer gemeinsamen Fabrik im tschechischen Kolin gebaut. Und das rund 1000 Mal täglich.
Beispiel 2: Nach dem Erfolg des Kultmobils Fiat 500 kaufte sich Ford bei den Italienern ein und lässt in der Fabrik in Polen den völlig unterschiedlich gestylten Ford Ka auf Basis des Fiat 500 bauen. Mit Fiat-Technik.
Beispiel 3: Der neue VW up!, ein witziger
Kleinwagen mit Preisen ab etwa 10000 Euro, wird nahezu baugleich
als Seat Mii und Skoda Citigo in einer gemeinsamen Fabrik
produziert.
Die Frage ist: Können diese Kooperationen, die bei Motoren,
Getrieben und anderen Bauteilen noch viel intensiver sind, dem
Kunden eigentlich egal sein? Im Grunde ja. Wenn das Produkt in
Ordnung ist und der Preis stimmt. Besonders bei Massenprodukten
spielt das Markenimage, dass sich in individueller Technik
ausdrückt, nicht die große Rolle.
Zudem reduziert die gemeinsame Entwicklung und Nutzung teurer Komponenten wie etwa der Motoren die Kosten. Man ist konkurrenzfähiger. Doch Vorsicht ist bei teuren Modellen geboten, wo die Kunden für die Ingenieurskunst der Topmarken, besonders der deutschen, deutlich mehr Geld auf den Tisch legen. Beim Audi A1, baugleich mit dem preiswerteren Polo, sind die Käufer nicht so kaufwillig. Und wenn Mercedes nun auf Renault-Motoren für einige Modelle zurückgreift, dann kann so etwas auch nach hinten losgehen.
Meine Meinung: Wo Mercedes drauf steht, sollte auch Mercedes drin sein. Bei Audi akzeptiert man inzwischen eine technische Verwandtschaft mit VW. Auch Porsche nutzt schon länger in verschiedenen Modellen - etwa bei den Dieselmotoren - bei VW entwickelte Technik. Doch es ist eine Gratwanderung, die auch bestraft werden kann. Als Jaguar vor einigen Jahren das kleinere Modell X als Gegner des 3er-BMW etablieren wollte, wurde dem englischen Luxusmodell trotz eigenständigem Design die technische Verwandtschaft zum Ford Mondeo angelastet.





